Vorsorgevollmacht

Vorsorgevollmacht. Wer soll im Ernstfall für mich entscheiden?

Keiner stellt sich gerne solche Situationen vor: Ein schwerer Unfall kann einen mehrmonatigen Klinikaufenthalt im künstlichen Koma zur Folge haben, eine Erkrankung oder Demenz kann zur dauerhaften Entscheidungsunfähigkeit führen.

Dann ist es gut, wenn Angehörige oder andere nahestehende sich kümmern – und das dürfen. Denn was vielen nicht klar ist: Selbst Ehepartner dürfen nicht einfach füreinander entscheiden, ebenso wenig erwachsene Kinder für ihre Eltern. Für einen nicht entscheidungsfähigen Patienten darf niemand medizinische Entscheidungen mit den Ärzten treffen, es sei denn, er ist beauftragt.

Den Auftrag erhält jemand mit der Vorsorgevollmacht. In ihr legt ein Mensch in gesunden Tagen schriftlich fest, wer für ihn handeln darf, wenn er selbst vorübergehend oder dauerhaft nicht mehr selbst entscheiden kann.

Wir sagen, was bei der Vorsorgevollmacht zu beachten ist, was darüber hinaus für den Ernstfall geregelt sein sollte und was passiert, wenn Menschen nicht vorgesorgt haben.

Vorsorgevollmacht definieren

In einer Vorsorgevollmacht kann jemand schriftlich im Voraus festlegen,

  • welche Aufgaben ein anderer Mensch übernehmen soll und
  • welche Person die Aufgaben übernimmt. Sie ist dann Bevollmächtigter, manche sprechen vom „Vollmachtnehmer“.
    Das können auch mehrere Personen sein.

Es sinnvoll, vorgefertigte Formulare oder Textbausteine (wie u.a.) zu verwenden – damit niemand das Dokument anzweifelt und nichts vergessen wird. Vollmachtgeber sollten festlegen, welche Person gesundheitliche Entscheidungen trifft und sie gegenüber Bank, Krankenkasse, Pflegestation, Hausverwaltung oder Rentenkasse vertritt. Darf sie Versicherungen kündigen?

Vorlage Vollmacht im Pflegefall

Vollmachtgeber: ________________________ / _________________________
(Name, Adresse und Geburtsdatum)

Bevollmächtigte/r: ________________________ / _________________________
(Name, Adresse)

Für den Fall, dass es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, meine Anliegen selber zu erledigen oder ich als Pflegefall nicht mehr dazu in der Lage bin, erteile ich eine entsprechende Vertretungsvollmacht für oben genannte Person. Die Vollmacht bezieht sich auf folgende Aspekte:

Entscheidungen im medizinischen Bereich
Verwaltung meines Eigentums und von Immobilien
Verwaltung meiner Konten ____________ ____________ bei der __________ (Bank)
_____________________________________ (sonstige Befugnisse)

Die Vollmacht kann von mir jederzeit zu widerrufen werden und ist nur gültig, wenn ein entsprechender Pflegefall vorliegen sollte. Ansonsten erlischt die Vollmacht mit meinem Tode.

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Datum und Ort         Unterschrift Vollmachtgeber

Eine Vorsorgevollmacht – unterschrieben und mit Datum versehen – reicht in der Regel aus, damit die bevollmächtigte Person handeln kann. Oft verlangen Ärzte, Behörden, Versicherer und andere Institutionen die Vorlage des Originals.
Geht es um Konto, Vermögensverwaltung oder Immobilien, reicht eine unterschriebene Vollmacht nicht. Vollmachtgeber müssen sie dann beglaubigen oder beurkunden lassen oder eine Bankvollmacht erteilen.

Zu beachtende Details für eine Vorsorgevollmacht

Gesundheit – Die bevollmächtigte Person ist für die Gesundheitssorge verantwortlich. Soll sie über lebensgefährliche Eingriffe und lebens- beendende oder -erhaltende Maßnahmen entscheiden dürfen, muss dies ausdrücklich genannt sein.

Pflege – Der Bevollmächtigte darf über die Versorgung im Pflegefall entscheiden. Freiheitsbeschränkung. Der Bevollmächtigte darf über von Ärzten empfohlene Freiheitsbeschränkungen, etwa Bettgitter, entscheiden. Wohnung/Aufenthalt. Die bevollmächtigte Person darf Mietverträge kündigen und neue abschließen.

Behörden/Justiz – Der Bevollmächtigte vertritt den Vollmachtgeber. Kommunikation. Der Bevollmächtigte darf Briefe öffnen, TV- und Handyverträge verwalten und hat Computerzugriff.

Versicherungen – Die bevollmächtigte Person darf Policen verwalten. Bank/Sparkasse. Der Bevollmächtigte darf Vermögen verwalten.
Für den Kontozugriff ist eine Extrabankvollmacht notwendig.

Immobilie – Soll eine Immobilie übertragen werden dürfen, ist die öffentliche Beglaubigung der Unterschrift notwendig, etwa durch eine Betreuungsbehörde – oder eine notariell beurkundete Vollmacht.

Webseiten und Onlineaccounts – Die bevollmächtigte Person sollte die Webseiten wie z.B. Sozialnetzwerk Portale verwalten können.

Dauer der Bevollmächtigung – In der Regel endet die Vorsorgevollmacht mit dem Tod. Sinnvoll kann es sein, Regelungen darüber hinaus zu vereinbaren.

Vorsorge Dokumente

Vorsorge – und Bankvollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsverfügung

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Patientenverfügung
Innenverhältnisregelung
Betreuungsverfügung

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